Ein Brief des Landtags- und Reichstagsabgeordneten Benedikt Winkelhofer an seine Lieben in Höhenstadt, in dem er u. a. auch über Halsbach berichtet:

Benedikt Winkelhofer
Landtag     1870-1888
Reichstag    1874-1884

München, den 14. Februar 1884

Meine Lieben!

Euren Brief habe ich richtig erhalten und da ich eben Zeit habe, so will ich auch einige Zeilen schreiben. Mit dem Befinden des Peter geht es doch immer besser,  schnell geht es wie in solchen Zuständen und man muß froh sein, wen keine nachteiligen Folgen zurückbleiben.

Wir haben jetzt alle Tage Sitzungen und ich weiß nicht, ob ich die Faschingstage nach Hause komme. So lange etwas vorbereitet ist wird aufgearbeitet und so viel ich kenne ist Stoff genug da. Die beiden Statuen S. Franz v. Assisi und S. Klara sind gestern abgeschickt worden und werden heute oder morgen in Höhenstadt ankommen. Ich habe dieselben an Herrn Pfarrer adressiert.

Vor ein paar Tagen war Herr Pfarr-Revisor Engelbert Reiß hier und noch 3 Bauern aus der Pfarrei Halsbach, welche bezüglich des Bauens einer neuen Kirche in Halsbach bei der Regierung hier Erkundigungen einzogen, weil der Bischof in Passau seine Erlaubnis nicht hergeben will. Die Pfarrgemeinde baut die Kirche aus freiwilligen Beiträgen und hat die Summe von 80 000 M beisammen. Holz und Ziegel liefert ebenfalls die Gemeinde, 300 000 Ziegel sind schon da. Wie religiös die Leute dort sind kann man daraus schließen, dass unter 72 Geburten im verflossenen Jahr nur 6 uneheliche waren. Auch das ist bei ihnen viel; in manchen Jahren sind es nur 4-5.

Es sind 200 Bundesjungfrauen und 80 Jünglinge in der Pfarr. Der Nachmittagsgottesdienst ist so stark besucht wie der Vormittag. Bei Bruderschaftstreffen, welche fast alle Monate sind, dauert die Nachmittagsandacht von 2-4 Uhr und da ist die Kirche gedrängt voll. Hernach geht man ins Wirtshaus aber um 6 Uhr geht alles wieder heim.
Da dürfen sich die die Höhenstädter ein Muster nehmen. Hw. Reiß hat Arbeit über Arbeit weil sein Pfarrer nichts thun kann, da er fast blind ist und oft fast außer sich. Alle Sonntage predigen und Christenlehre halten, den Beichtstuhl versehen, die Schulen, alle Schreibereien usw.. Er ist nicht mehr so stark als er früher war. Jetzt muss ich ein wenig aussetzen bis Nachmittag;  ich gehe jetzt zum Frühstück und dann in die…

Heute war ich schon von 6-7 in der Kirche.
Nachmittag ½3 Uhr. Soeben habe ich Mittag gegessen, die Sitzung dauert bis ½2 Uhr. Dass eine … geschehen ist, warum schickt mir das Geld nicht den ersten Tag heraus! Behaltet den Brief des Beileitner Schütz auf, man kann ihn vielleicht noch brauchen. Was den Hund anbelangt mit seiner „Sucht und nicht Zucht“ wie Peter schrieb, so würde ich … Mittel anwenden, vielleicht hilft es noch. Beiliegend erhaltet ihr eine Fotografie nach meiner neuesten Aufnahme; ich glaube gut getroffen zu sein.

Wenn Paul noch keine von mir so hat so kann er diese behalten.  Mit der Bitthalberger soll die Aussicht eine günstige sein;  wenn sie genau noch zur Vorlage kommt (man sagt es) so kann vielleicht schon im Frühling oder im Laufe des Jahres der Anfang gemacht werden und in 2 Jahren kann es fertig sein. Nun, wir wollen ja sehen.



Historie: Presse 21.09.1889

Als zeitgeschichtliches Dokument hier erstmals online die Niederschrift aus einer Originalzeitung von 1889 über die Einweihung der Halsbacher Kirche. Da es nicht immer einfach ist, solche Textmengen am Bildschirm zu lesen, stellen wir Ihnen auch ein Word-Dokument zum Download zur Verfügung. Herzlichen Dank an Gottfried Schneiderbauer für die Tipparbeit.

 

Die feierliche Einweihung der Pfarrkirche in Halsbach am 24. August 1889    

(unlieb verspätet)

zeitung_1889_1„Laßt uns gehen zum Hause des Herrn!“ Dieser Gedanke erfüllte tausend Herzen einer gläubigen Christengemeinde und sie schlugen im Vorempfinden hoher hl. Festesfreude dem Morgen des 24. Aug. entgegen, dem Tag der Einweihung ihres Gotteshauses der durch ihre reiche Pracht und Schönheit weithin bekannten Pfarrkirche in Halsbach.

„Wo ist ein Herz, das ruhig schlägt,
Wenn solch ein Tag die Schwingen regt?“


„Nach Halsbach!“ Hieß das Loosungswort für den Bartholomäustag nicht nur im einheimischen Gau der Gegend zwischen Alz und Salzach, von Altötting bis Tittmoning, Kai und Palling – sondern im ganzen Dekanat Burghausen, sowie der angrenzenden Dekanate unseres Bisthums und der Erzdiözese München-Freising. Aller Orten weiter in der Runde gedachte man sich auf den Weg zu machen nachdem dem alten sonst so stillen Hadolvespach, um dem bevorstehenden hl. Akte anzuwohnen, zugleich aber auch, um den neuen Oberhirten der Diözese Passau von Angesicht zu sehen und kennen zu lernen.

Als der Festmorgen graute, forschten unzählige Blicke hinauf und zwar mit bangem Herzen, denn die ganze Nacht hindurch hatte es unaufhörlich geregnet. Der anbrechende Tag brachte kein besseres Wetter; überall, soweit das Auge schaute, düstere Wolken und strömender Regen. Es liegt auf der Hand, daß bei einem solch gräulichen Wetter ein größerer Zuzug aus der weiten Ferne unterblieb; keineswegs aber hinderte es, daß außer der gesammten Einwohnerschaft der Pfarrei immerhin noch Schaaren Auswärtiger sich einfanden. Sind doch die Bayern bekannt, daß sie auch unter den widrigsten Umständen standhaft aushalten, wenn es die Ehre Gottes und der Kirche, Königs und Vaterlandes gilt. – Der hochwürdige Herr Bischof Antonius war am Freitag gegen 3 Uhr Nachm. in Begleitung seines Sekretärs des H. H. Domkapitulars Alteneder von Altötting kommend, an der Hirtenbrücke – einem landschaftlich hochinteressanten Punkt des wildromantischen Alzthales und zugleich der Pfarrgrenze – von Clerus und Volk der vereinigten Pfarr- und Filialgemeinde Halsbach-Margarethenberg feierlich empfangen. Von der aufgestellten Schuljugend des letztgenannten Ortes sprach ein Knabe das Begrüßungsgedicht. Zahlreiche Geistliche aus der Umgebung und selbst weiter entfernten Orten hatten sich eingefunden. Dreißig Reiter und fünfzehn zweispännige Chaisen hat die Pfarrei zum Ehrengeleite gestellt. Der hochw. Oberhirt war sichtlich erfreut über den ihm bereiteten Empfang. Der ansehnliche Zug bewegte sich an dem idyllisch auf einem Bergkegel gelegenen Margarethenberg vorüber, hinauf nach Racherting, einer berühmten Aussichtshöhe und von dort hinab zum Halsbachgrund. Triumpfbögen, Ehrenpforten, Blumengewinde und Tannenreisguirlanden zierten und säumten den ganzen Weg. In Halsbach unter dem Geläute der Glocken und dem Donner der Böllersalven angelangt, erfolgte abermalige Begrüßung des H. H. Bischofes durch ein Mädchen, durch die Herren Lehrer und das Volk. Vom Kirchthurme wehte eine mächtige blauweiße Fahne. Absteigquartier nahmen Se. Excellenz im Pfarrhof zu Schupfing. „Gavisi sunt discipuli viso Domino“ (es freuten sich die Jünger, da sie den Herrn sahen) lautete der Willkomm über den Eingang.

Alsbald, noch am Freitag, wollte der Hochw. Herr Bischof die Pfarrkirche besichtigen. Schon von außen gewinnen die edle, stilreine Einfachheit und die schönen Maßverhältnisse des Baues das Herz eines jeden Beschauers, und erst das Innere des in der funkelnden Pracht seiner ganz neuen Ausstattung und im bräutlichen Schmuck für das bevorstehende Fest prangenden Heiligthums! Als Se. Excellenz die Kirche betrat, war er sichtlich überrascht von der Schönheit derselben und mit einem Blicke freudigen Staunens überschaute er den hohen weiten Raum, Altäre, Kanzel, Malereien. „Wahrhaftig“, sprach er dann voll der Bewunderung zu Klerus und Volk gewendet: „Sie haben eine schöne Kirche, Sie haben ein prächtiges Gotteshaus.“ In den feuchtglänzenden Augen der wettergebräunten Männer spiegelte sich die tiefe Herzensfreude, welche dieses bischöfliche Wort in ihnen erregte. Diese Anerkennung war den Bewohnern Halsbachs der schönste Lohn, die wertvollste Festgabe für ihre gebrachten Opfer und das gelungene Werk.

zeitung_1889_2Diese ehrende Auszeichnung von Seiten des hochwürdigsten Oberhirten ist den Bewohnern von Halsbach von ganzem Herzen zu gönnen. Es wird nicht viele Landpfarreien geben, die aus eigenen Mitteln dem Herrn eine Kirche erbauten, deren Herstellungskosten die Summe von 153,500 Mk. ausweisen. Sehr erfreulich ist es, daß sich die Malereien so ausgezeichnet halten. Man hegte nämlich die Befürchtung, es möchten die Malereien besonders an der Nordseite der Kirche durch Nässe leiden, allein dieselbe ist glücklicherweise nicht eingetroffen und erweist sich auch die angezweifelte Nordseite als vollkommen trocken. Nun möchte ich kurz noch über den Festtag selbst berichten. 

Morgens Früh 7 Uhr begab sich Se. Excellenz zu dem im schönsten Schmucke prangenden Gotteshause, um den hl. Akt vorzunehmen. Die Witterung war für die Einweihung sowie für die in feierlicher Prozession erfolgende Einholung der hl. Reliquien die denkbar ungünstigste. Allein trotz des strömenden Regens wohnte die große Menge Volkes ruhig und andächtig der Feier an. Alle ermunterte ein Blick auf den hochverehrten Oberhirten, der Wind und Regen kaum zu achten schien und nicht das leiseste Zeichen von Ungeduld gab, sondern in hoher priesterlicher Haltung, Ruhe und Würde die hl. Handlung vollzog. Er war darin ein ächter Nachfolger des hochseligen Fürstbischofes Joseph Graf Lamberg, der in gleicher Lage einem ihm besorgt Vorstellung machenden Prälaten launig entgegnete: „Seien Sie unbesorgt! Ich bin nicht von Salz.“ Die bei dem heutigen Feste anwesenden Geistlichen – 26 an der Zahl, darunter die Hochw. Herren Dekan Lachhamer von Burghausen, geistl. Rath Obermaier von Feichten, Domvikar Holzner und Regens Hackl aus Passau, Subregens Spannbrucker aus Freising, Pfarrer Glonner aus Fridorfing, Pfarrer Nöhmeier von Kößlarn, Kapuziner-Guardian P. Benno von Burghausen u.a. – theilten sich in den lithurgischen Dienst bei der Weihe und dem Pontifikalamte. Leider gestattet uns der Raum nicht, auf die Erhabenheit und Großartigkeit des Weiheritus hier näher einzugehen und möchten wir nur bemerken, daß für den Offiziator die Weihe einer Kirche mit Altarconsekration ungemein anstrengend  ist und gegen vier Stunden dauert. Gegen Schluß der hl. Handlung wurden die bis dahin geschlossenen Kirchthüren geöffnet und das zahlreiche Volk betrat das Gotteshaus und erfüllte die weiten Hallen. Bevor das Pontifikalamt begann, bestieg Se. Excellenz die Kanzel und richtete in einer ungefähr eine halbe Stunde dauernden Ansprache kraftvolle, innige und zum Herzen dringenden Worte der Anerkennung, des Dankes und der Belehrung an die Gemeinde, Worte, die den Bewohnern Halsbachs unvergeßlich sein werden.

zeitung_1889_3An die Ansprache des hochwürdigsten Herrn Bischofes schloß sich das Pontifikalamt an. Es ist etwas Imposantes und heilig Schönes um einen solchen Gottesdienst. Wir sahen heute unsern neuen Oberhirten zum erstenmal und ist es schon an und für sich etwas Erhabenes, einen Bischof im Pontifikalornate am Altare das hl. Meßopfer darbringen zu sehen, ihn von dort aus, die Inful auf dem Haupte und den Stab in der Hand, in der Vollgewalt seiner Sendung und Würde mit erhobener Rechte den Segen über das auf den Knieen liegende Volk geben zu sehen, so sind solche Momente doppelt feierlich, wenn, wie es hier der Fall war, die Herzen erfüllt sind von der Begeisterung für die neuerbaute und nunmehr eingeweihte Kirche. Ueberdieß besitzt auch Se. Exzellenz, abgesehen von allen anderen Vorzügen, eine hohe, Ehrfurcht gebietende Gestalt und eine wohlklingende, kräftige Stimme, die den ganzen weiten Raum mächtig beherrschte – herrliche Gaben, welche die göttliche Vorsehung dem Hochw. H. Bischof Antonius einst in die Wiege gelegt hat.

Der Kirchenmusikchor von Halsbach brachte, verstärkt durch auswärtige Kräfte Witts „Missa in hon. St. Augustini“ unter der Direktion des Schullehrers und Chorregenten H. Koppenstetter in Halsbach bestens zur Aufführung. Es war längst 12 Uhr vorrüber, als die hl. Handlung ihr Ende erreichte.

Nach dieser kirchlichen Feier war große Tafel im Lechner’schen Gasthaus, woselbst Se. Excellenz in Mitte des H. Clerus und der Lehrerschaft speiste. Anwensend waren ferner noch H. Rentbeamte von Burghausen und H. Bezirksamtsassessor von Altötting in Uniform, welche auch an der Einweihungsfeier teilgenommen hatten. Da der verehrte Oberhirt bald nach 3 Uhr schon wieder abreisen wollte, und man ihn in Altötting erwartete, so wurden die Reden und Toaste auf einen beschränkt, den H. H. Pfarrer auf Se. Exzellenz ausbrachte. Er sprach darin dem Hochwürdigsten Herrn Bischof seinen und der Pfarrei Dank aus und gedachte dankend aller geistlichen und weltlichen Behörden und aller Laien, welche den Halsbacher Kirchenbau eingeleitet, gefördert und zur Vollendung gebracht haben. Speziell erwähnte er den technischen Leiter, s. Regierungsassessor v. Horstig in Augsburg und den Baumeister Wimmer von Obing. Se. Exzellenz erwiderte auf den Toast und ließ seinerseits den H.H. Pfarrvorstand und die wackere Pfarrgemeinde von Halsbach hochleben. Nicht lange nach 3 Uhr bestiegen S. bischöfl. Gnaden mit H. Domkapitular Alteneder unter freundlichster Verabschiedung den Wagen. Inzwischen hatte der Regen endlich aufgehört und die Sonne blickte zeitweise durch den zerrissenen Wolkenschleier hernieder. Schon im Wagen sitzend trug der H. H. Bischof dem H. Pfarrer Süß und Expositus Krick nochmals auf, den Volke für die gelegentlich des Empfangs aufgewandte Mühe seinen herzlichsten Dank öffentlich auszurichten. Nun noch ein freundliches Winken mit der Hand, Glockengeläute und Böllersalven – die Pferde legten sich in’s Geschirr und entführten den die Menge segnenden.

Zum Schlusse möchten wir an dieser Stelle und bei dieser Gelegenheit noch kurz der Verdienste unseres H. H. Pfarrers um den Kirchenbau in Halsbach gedenken. Wenn man zurückdenkt an die Zeit, wo die Stelle, welche heute das prachtvolle Gotteshaus deckt, nichts war, als ein regelloses Chaos von Steinen, wenn man sich erinnert, welche Arbeit es war, die bestehenden Differenzen zu schlichten, Gegensätze auszugleichen, den schriftlichen Verkehr zu führen, dann kann man sich beiläufig einen Begriff von den mühevollen Tagen und den sorgenschwer durchwachten Nächten, die H. H. Pfarrer gehabt, machen. Möge es daher Herrn Pfarrer Süß beschieden sein, sich des großen, so herrlich gelungenen Baues viele, viele Jahre im Frieden mit der braven Pfarrgemeinde Halsbach erfreuen.

Ainring, am 21. September 1889
Franz Wisbacher


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